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Katholische Betriebsseelsorge
Diözese Rottenburg-Stuttgart
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50 Jahre Jubiläum
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Ulm
Jubiläum
24.2.2021

Grenzenlos an Donau und Iller gemeinsam unterwegs

Jahrezehntelange gute Zusammenarbeit, Austausch und gegenseitige Unterstützung, über die Länder- und Diözesangrenze hinweg, mit Martina Berndt-Hoffmann Betriebsseelsorge Iller - Donau, Diözese Augsburg

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Zwei Städte- zwei Bundesländer- zwei Diözesen- zwei Mal Betriebsseelsorge- aber ein Wirtschafts- und Lebensraum

Dies ist in wenigen Stichworten unsere Situation in Ulm und Neu-Ulm.

Zwei Städte: Ulm und Neu-Ulm, sehr unterschiedlich. Das kleinere Neu-Ulm oft im Schatten Ulms, auch was die Industrie, die Zahl der Arbeitsplätze oder die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung angeht.

Zwei Bundesländer: hier an der Donau treffen Bayern und Baden- Württemberg mit verschiedenen Gesetzen und Verordnungen (z.B. Ladenschlussgesetz) auf einander.

Dazu kommen zwei Diözesen: Das Bistum Augsburg und Rottenburg – Stuttgart begegnen sich hier. Dass ich eine „Dauergenehmigung“ habe, die Diözesangrenze zu überscheiten, sei nur eine Randnotiz…

Die Brücken über die Donau und über die Iller schaffen Verbindung, ermöglichen in diesen „Grenzsituationen“  die ständigen Kontakte  herüber und hinüber. Ulm und Neu-Ulm sind letztendlich ein Lebens- und Wirtschaftsraum. Wer in Neu-Ulm wohnt, arbeitet vielleicht in Ulm oder umgekehrt.

Diese besondere Situation war in den vergangenen (fast) 50 gemeinsamen Jahren immer eine Chance und eine Herausforderung. Betriebliche, politische, kirchliche  und gewerkschaftliche Ansprechpartner*innen waren je andere, aber die Anliegen der Betriebsseelsorge Ulm und Neu-Ulm waren fast immer die gleichen: Für die Menschen in der Arbeitswelt da zu sein, in Konflikten Stellung zu beziehen für betroffene Arbeitnehmer*innen, einzutreten für gute Arbeit- mal allein, aber oft eben auch gemeinsam. Für dieses Gegenüber auf der anderen Seite der Donau war und bin ich sehr dankbar! Angefangen beim Austausch über die Situation in unserem Arbeitsbereich, über gemeinsam organisierte Betriebsrätetreffen mit Betriebsbesuchen oder  Veranstaltungen, bis hin zu unseren gemeinsamen Aktionen und Gottesdiensten rund um den 1. Mai- es tut gut, immer wieder gemeinsam unterwegs zu sein. Hier ein paar kleine Erinnerungen aus der großen Vielfalt des Miteinanders:

*Nach dem Zusammenbruch des Schlecker-Imperiums luden wir gemeinsam zu Treffen von ehemaligen Beschäftigten. Bei einem dieser Treffen schilderten einige der Teilnehmenden wie es ihnen bei Schlecker und auch danach auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz ergangen war. Sehr eindrücklich war für uns der Mut, der aus den Berichten vieler sprach. Mir persönlich blieb bis heute die Betroffenheit darüber, dass Menschen nach jahrelanger schwerer Arbeit entsorgt wurden wie Müll, weil man keine Verwendung mehr für sie hatte.

*Einmal hatten wir als BSS Ulm/ Neu-Ulm gemeinsam mit dem KDA am Abend vor dem 1. Mai eingeladen zu einem Bittgang im Industriegebiet Donautal. Wir zogen gemeinsam mit Beschäftigten der Region zum Feierabend  durch die Straßen zwischen den einzelnen Fabriken und Betrieben- es gab immer wieder einen Zwischenhalt, um die Situation in der Arbeitswelt ins Gebet zu nehmen. Bei diesem gemeinsamen Gang hatten wir einen Überraschungsgast. Franz Josef Möllenberg , der damalige Bundesvorsitzende der Gewerkschaft NGG und  Hauptredner der Ulmer  Maiveranstaltung kam unangekündigt. Er hatte die Einladung gelesen und ganz einfach beschlossen, mitzugehen. Am nächsten Tag betonte er in seiner Rede, wie wertvoll der Kontakt zur Betriebsseelsorge für ihn als Gewerkschafter  sei.

*Gemeinsam durften wir auch gelegentlich die Gastfreundschaft von Betriebsratsgremien erleben. Bei gemeinsamen Betriebsbesuchen diesseits und jenseits von Donau und Iller saßen wir in ganz kleinen bis hin zu respektablen Büros der Arbeitnehmervertretungen- immer sehr aufmerksam versorgt mit Kaffee oder Wasser. Die geteilte Zeit, die offenen Gespräche, die freundliche Aufnahme im Betrieb zählen zu den wertvollsten Erfahrungen in der Betriebsseelsorgearbeit. Dies immer wieder gemeinsam erleben zu dürfen, hat das Miteinander  unserer beiden Stellen gestärkt und vertieft. Und dass für die Begegnung Platz in der kleinsten Hütte ist, zeigte sich anschaulich, als wir gemeinsam zu Gast waren beim Betriebsrat eines Bau- und Gartenmarktes. Der dortige Betriebsrat hatte sein „Büro“ in einer der ausgestellten Gartenhütten!

Ich danke den bisherigen Kollegen der Betriebsseelsorge ganz herzlich für das Gehen auf einem gemeinsamen Weg und freue mich auf die Fortsetzung mit meiner jetzigen Kollegin!

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

Martina Berndt- Hoffmann

Betriebsseelsorge Iller - Donau