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19.6.2020

Menschenwürde gilt auch in der Fleischindustrie

Ein Kommentar zur Corona-Krise von Karl-Ulrich Gscheidle, KDA Württemberg

Schlachtbetriebe haben sich in den letzten Monaten zu Hotspots für Corona-Infektionen entwickelt. Die Gründe: die oft unwürdige Unterbringung der Werkvertragsbeschäftigten – viel zu kleine, heruntergekommene Wohnungen, keine gute Hygienesituation, keine Möglichkeit für vernünftige Kontaktbeschränkungen etc. Hier gilt es kritisch hinzuschauen und solidarisch zu helfen. Denn es hat sich offensichtlich eine gefährliche Schattenseite in der Sozialen Marktwirtschaft formiert, die dringend reformiert werden muss.

Pfarrer Karl-Ulrich Gscheidle vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) ruft mit seinem wirtschaftsethischen Kommentar zum Hinschauen und Helfen in der Not von europäischen Wanderarbeitern auf.

 

"Im Rahmen der EU gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Doch hier gibt es eine Schattenwirtschaft im Niedriglohnsektor. Schlachtbetriebe haben sich in den vergangenen zwei Monaten zu Hotspots für Corona-Infektionen entwickelt. Das aktuelle baden-württembergische Beispiel der Firma Müller Fleisch in Birkenfeld zeigt, dass gleich 300 osteuropäische Wanderarbeiter positiv getestet wurden. Diese Menschen werden von Subunternehmen über Werkverträge in eine weitgehend unwürdige und rechtlose Situation gebracht. Hier gibt es politischen Reformbedarf.

Es kann nicht sein, dass europäische Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter von sogenannten Subunternehmen der Fleischindustrie in meist viel zu kleinen und heruntergekommenen Wohnungen untergebracht werden. Und die darüber hinaus keine gute Hygienesituation und keine vernünftigen Kontaktbeschränkungen ermöglichen. Ungenügende deutsche Sprachkenntnisse und wenig Kenntnisse über ihre Rechte führen Menschen in eine Bedrängnis, die uns alle herausfordert. Hier gilt es kritisch hinzuschauen und solidarisch zu helfen! Bei den unwürdigen Arbeits- und Wohnbedingungen für Werkvertragsbeschäftigte in der deutschen Fleischindustrie darf es keine Haltung der Gleichgültigkeit geben. Es hat sich eine gefährliche Schattenseite in der Sozialen Marktwirtschaft formiert, die dringend reformiert werden muss...."

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