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Katholische Betriebsseelsorge
Diözese Rottenburg-Stuttgart
Pauls Schobel 80
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Jo Röttgers

Neuigkeiten
Mittwoch, 24. Juli 2019 - 09:38

Paul Schobel wird 80

Über 400 Gäste kamen zum Gratulieren und Feiern. In einem eindrucksvollen Gottesdienst und anschließendem Stehempfang wurde Rückblick auf Pauls Wirken gehalten und seine Bedeutung für die Betriebsseelsorge gewürdigt. Beim Fest im Arbeiterzentrum Böblingen hielt Guido Lorenz für die Betriebsseelsorge der Diözese eine Laudatio, die hier in Auszügen wiedergegeben wird.

Lieber Paul,

für das BS-Team unserer Diözese begrüße und beglückwünsche ich dich ganz herzlich zu deinem 80. Geburtstag. Als 80jähriger bist Du in illustrer Gesellschaft. Nicht zuletzt die Journalistin Beate Klarsfeld. Mit einer Ohrfeige für Kanzler Kiesinger ist sie berühmt geworden. Die Geste galt Kiesingers NS-Vergangenheit, mit der sie die bundesdeutsche Öffentlichkeit wachrüttelte.

Ja du scheinst zu der Generation der Wachrüttler zu gehören. Und die Bibel als Richtschnur hat Paul nie vergessen. Und mit Lust zitiert Paul Rudi Duschke, den Wortführer der Studentenbewegung der 1968er Jahre in West-Berlin:

„Jesus ist auferstanden, Freude und Dankbarkeit sind die Begleiter dieses Tages: Die entscheidende Revolution der Weltgeschichte ist geschehen,

die Revolution der Welt durch die alles überwindende Liebe. Nähme die Menschen voll die offenbarte Liebe an, die Wirklichkeit des jetzt, die Logik des Wahnsinns könnte nicht mehr weiterbestehen.“

Paul ist so ein Wachrüttler und Weisheitslehrer. Solche Menschen werden in biblischer Zeit RABBI genannt: Lehrer – Meister – Schriftausleger

Auch wenn der Titel heute nicht gerade modern klingt: Für uns Betriebsseelsorger bist du, Paul, genau das über Jahrzehnte immer wieder gewesen: Der inspirierende, der aufrüttelnde, der lehrende und die Sache Jesu verstehende RABBI. Sei es mit deiner Stiftung, sei es beim Kampf für die Schlecker-Frauen, sei es beim Kampf für die Arbeitszeitverkürzung, sei es für den Sonntagsschutz, immer wieder für die Männer und Frauen mit und ohne Erwerbsarbeit.

Und als Lehrer – als Weisheitslehrer – als Rabbi hast du uns Betriebsseelsorger klare Aufgaben gegeben: Näher ran – für eine solidarische Kirche der Arbeiterschaft. Es bleibt uns studierten Theologen in der Betriebsseelsorge keine andere Wahl. Näher ran heißt immer wieder selbst als an- und ungelernte Arbeiter in Betrieben anzuheuern.

Paul Schobel ist mit 80 Jahren bissig wie eh und je.

Mehr Biss! – für eine prophetische Kirche in der Arbeiterschaft. Kapitalismus pur ist ein spalterisches System, das auf Schritt und Tritt Ungerechtigkeit produziert. Betriebsseelsorger haben die Aufgabe, zu brisanten Fragen der sozialen Gerechtigkeit in der Öffentlichkeit Stellung zu nehmen.

Und die Sache Jesu zu den Menschen bringen: Durch unsere Kollegialität und Solidarität sollen wir von der Sache Jesu glaubwürdig Zeugnis geben.

Lieber Paul,

wir Betriebsseelsorger, wir deine Schüler danken unsren Lehrer in der Betriebsseelsorge, unserem Wachrüttler, unserem RABBI.