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Katholische Betriebsseelsorge
Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Tuttlingen
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Stadt Tuttlingen

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Menschlichkeit
29.4.2021

Bei Gott sind die Türen weit geöffnet

Gedanken von Betriebsseelsorger Thomas Maile zu den Jesus-Worten: "Ich bin die Tür - wer durch mich hinein- und hinausgeht, wird gerettet werden."

Zu Lebzeiten von Jesus gab es in jedem Ort ein gemeinsames Grundstück, das durch eine Mauer oder eine Hecke eingezäunt war. Am Abend trieben die Dorfbewohner ihre Schafe hinein, damit sie dort über Nacht vor wilden Tieren und Dieben sicher waren.

Es gab nur einen Eingang. Dort saß über Nacht ein Wächter Er war quasi eine menschliche Tür. Am nächsten Morgen stand er auf, die Tür öffnete sich und die herbeikommenden Dorfbewohner riefen ihre Tiere heraus und führten sie auf die Weide.

An dieses Bild denkt Jesus, wenn er im Johannesevangelium sagt: „Ich bin die Tür; wer durch mich hinein- und hinausgeht, wird gerettet werden“.

Türen haben eine doppelte Bedeutung. Eine geschlossene Tür bietet Schutz, kann allerdings aber auch signalisieren: „Du bist hier unerwünscht, du musst draußen bleiben“. Eine geöffnete Tür dagegen lädt zum Eintreten ein und man kann auch wieder hinausgehen.

Viele erleben derzeit aufgrund der Pandemie verschlossene Türen. Sie scheinen gar nicht mehr aufzugehen. Auch in der Betriebsseelsorge. Wir können uns seit Monaten nicht mehr zu unseren Betriebsräte- und Personalräte Stammtischen treffen. Keine Seminare, keine Gruppen und Kreise. Die Türen sind zu. Keine Gemeinschaft, keine menschliche Nähe. Vielen anderen geht es derzeit genauso.

Wie schön wäre es, wenn die Türen wieder geöffnet wären…denn geöffnete Türen sind ein Zeichen für Leben, für Nähe, Offenheit und Aufnahmebereitschaft.

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Christen sind Türöffner für ein besseres Leben.

Nochmal zurück zu Jesus. Wenn er sagt: „Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden“, dann meint er: „Bei mir steht ihr nicht vor verschlossenen Türen, müsst ihr nicht draußen bleiben. Ihr seid stets willkommen. Und wenn ihr durch mich hineingegangen seid, dann seid ihr bei mir und habt das Leben in Fülle“.

Und so dürfen wir voll Vertrauen zu ihm rufen: „Danke Jesus, du bist ein wunderbarer Türöffner. Danke, dass du uns die Tür offen hältst, die Tür zum wahren Leben. Hilf uns, diese Tür zu suchen und wenn wir sie gefunden haben, lass uns den Fuß der Hoffnung fest dazwischen stellen, damit sie offen bleibt und weder Angst noch Zweifel sie uns wieder schließt.“

In meiner fast 35-jährigen Betriebsseelsorgetätigkeit habe ich oft erlebt, wie Menschen, die lange arbeitslos waren, sich gefreut haben, wenn für sie die Tür zur Arbeitswelt wieder aufgegangen ist und sie eine neue Arbeitsstelle gefunden haben. Was für eine Freude. Offene Türen sind ein Segen und eine Wohltat.

Deshalb gilt es, alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass niemand in unserer Gesellschaft ausgeschlossen bleibt. Niemand soll in Armut und Not leben müssen. Niemand soll draußen vor der Tür bleiben und zugrunde gehen.

In der Nachfolge Jesu sind wir Christen Türöffner. Türöffner für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Lasst uns deshalb die Türen für eine bessere Welt weit aufstoßen. Auch in der Kirche. Wir dürfen niemanden den Segen verweigern und keinem die Tür vor der Nase zuschlagen. Denn Gott schließt niemanden aus. Seine Türen sind stets geöffnet. Bei ihm sind alle willkommen.