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Stadt Ravensburg (Foto: Felix Kästle)

Ravensburg
Rechtspopulismus
10.2.2020

Rechtspopulismus am Arbeitsplatz

Wie kommt es, dass Beschäftigte in Produktionsverhältnissen mehr die AfD wählen als der Bundesdurchschnitt? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Betriebsseelsorger*innen der Diözese und der KDA der württembergischen Landeskirche bei einer Klausurtagung.

Matthias Moneke, Mitarbeiter des Promotionskollegs „Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität“ der Uni Tübingen stellte zu Beginn dar, das der Rechtspopulismus sich auf zwei Ebenen hin abgrenzt: vertikal, indem sich „das Volk“ nach oben von der Elite abgrenzt; horizontal durch die Abgrenzung nach Außen, indem Ausländer, Geflüchtete ausgegrenzt werden. Kennzeichnend ist der Blick nach hinten, in die scheinbar heile Welt, die verloren ging und wiederhergestellt werden soll. Eine Utopie, einen Blick nach vorne ist nirgends zu finden.

Wer aber sind die Wähler*innen? Der DGB hat nach der letzten Bundestagswahl analysiert, dass die AfD bei Gewerkschaftsmitgliedern 15 % Zustimmung erhalten hat im Bundesvergleich zu 12,6%. Dabei haben Männer deutlich mehr die AfD gewählt als Frauen. Dennoch ist eine generelle Antwort nicht möglich, da die Motive zu heterogen sind. Beobachtbar ist jedoch, dass passive Mitglieder in den Gewerkschaften keine Schutzfunktion mehr sehen, was in dem Vorwurf zu hören ist, sie seien ja Co-Management. Beigetragen hat auch die entfesselte Konkurrenz im globalisierten Neoliberalismus sowie das Gefühl einer verlorenen Steuerungsfähigkeit der Politik im Hinblick auf Arbeit und Kapital.

Karl Reif, ehemaliger Betriebsrat, und Jose Miguel Perilla, Vertrauensmann, beide bei Daimler in Stuttgart, berichteten konkret über das Wirken des „Zentrum“ innerhalb des Betriebes. Das Zentrum Automobil ist eine – wie sie sich selbst bezeichnen – alternative Gewerkschaft, die von rechten und rechtsextremen Gruppen unterstützt und besetzt wird. In ihrer Firma erhielt die Gruppierung sechs von 42 Sitzen bei der letzten Betriebsratswahl. Zentrales Feindbild der Zentrumbotschaft ist die IG Metall, die massiv angegriffen wird. Mit Schlagwörtern wie Verlagerung, Transformation, Dieselskandal werden Ängste geschürt und Emotionen entfacht, um Beschäftigte zu verunsichern. Auch da gilt: es gibt keine Zukunftsmodelle der Gestaltung, sondern immer nur der Blick nach hinten.