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Katholische Betriebsseelsorge
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Leitung

Zu wenig Lohn, schlechte Unterkünfte und kein Gesundheitsschutz...

Der Jahresbericht „Saisonarbeit in der Landwirtschaft“ listet wieder viele Arbeitsrechtsverletzungen auf.

22.10.2021 Frankfurt am Main – „Während der gesamten Zeit, als wir dort arbeiteten, mussten wir unsere Pässe als Kaution abgeben. Wir mussten Dokumente unterzeichnen, die wir nicht kannten. Man sagte uns, das sei der Arbeitsvertrag, ein eigenes Exemplar bekamen wir aber nicht. Der nach Akkordarbeit ausbezahlte Lohn lag bei Berücksichtigung der von uns tatsächlich geleisteten Arbeit bei zirka vier Euro pro Stunde. Die Arbeitgeber haben uns gedroht, angeschrien und haben uns auch körperlich attackiert.“ Das berichten zehn Rumänen, die bei einer Baumschule in Nordrhein-Westfalen beschäftigt waren, in dem jetzt erschienen Heft „Saisonarbeit in der Landwirtschaft – Bericht 2021“, herausgegeben von der Initiative Faire Landarbeit. Und das ist nur ein Auszug aus einem von vielen Fallbeispielen.

Nach Einschätzung der Initiative ist die Zahl der Männer und Frauen, die nach Deutschland kommen um in der Ernte von Spargel und Erdbeeren, aber auch von Feldgemüse, Gurken, Obst, Wein und anderem mehr zu arbeiten, weiterhin auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2019 waren es zirka 274.000. Erstmalig sind in diesem Jahr über ein Drittstaatenabkommen etwa 180 Menschen aus Georgien für die Arbeit in der Landwirtschaft eingereist. Sehr hoch war in dieser Saison der Anteil an Saisonarbeiter*innen – vor allem aus der Ukraine – die mit dem Status von Praktikant*innen und Ferienjobber*innen bei uns arbeiteten.

Insgesamt 44 Mal rückten die Mitarbeiter*innen der Initiative raus aufs Feld und informierten über 2500 Saisonarbeiter*innen über ihre Rechte. Die Mehrzahl der Beschäftigten kam aus Rumänien, darüber hinaus wurden Menschen aus Polen, Kroatien, der Ukraine, Georgien und Bulgarien erreicht. Auffällig in dieser Saison war, dass die Initiative deutlich stärker bei ihren Aktionen durch die Arbeitgeber*innen behindert wurde als in den Vorjahren. Fehlende Sozial- und Krankenversicherung aufgrund von kurzfristiger Beschäftigung, unvollständige Lohnzahlungen und überhöhte Lohnabzüge, mangelhafte Unterkünfte und Verstöße gegen Infektionsschutzregelungen und den Arbeits- und Gesundheitsschutz, das sind die vier Hauptproblemgruppen, die sich bei den Aktionen und in der Beratungsarbeit herauskristallisiert haben.

Deshalb fordert Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied:
„Die nächste Koalition muss der Ausbeutung auf deutschen Feldern ein für alle Mal ein Ende setzen: Die sozial nicht abgesicherte kurzfristige Beschäftigung muss in allen Branchen auf wenige Tage im Jahr begrenzt werden. In der Landwirtschaft müssen staatliche Kontrollen ausgeweitet und Arbeitszeit verlässlich erfasst werden. Arbeitgeber müssen dazu verpflichtet werden, die Kosten für menschenwürdige Unterkünfte zu tragen. Schlechte Löhne, weniger Sozialschutz und niedrige Arbeitsstandards sind nicht einfach deshalb akzeptabel, weil die Beschäftigung nicht auf Dauer angelegt ist.“

Die Initiative Faire Landarbeit ist ein Bündnis von den gewerkschaftsnahen Beratungsstellen Faire Mobilität, dem Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen und dem Beratungsnetzwerk „Gute Arbeit“ von Arbeit und Leben, der IG BAU sowie weiteren Organisationen. Ziel ist die Verbesserung der Situation von Saisonarbeiter*innen in der Landwirtschaft.
Die Betriebsseelsorge DRS ist seit diesem Jahr Mitglied der Initiative Faire Landarbeit und hat in der weitgehend abgeschlossenen Erntesaison an insgesamt 6 Tagen im Verbund mit Kolleg*innen von Faire Mobilität und tlw. der IG BAU Saisonkräfte in den Regionen Unterland, Mittlerer Neckarraum sowie Bodensee aufgesucht.

Hier können Sie den Jahresbericht 2021 der Initiative Faire Landarbeit herunterladen:

Hier finden Sie die gewerkschaftlichen Positionen für faire Landarbeit: