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Katholische Betriebsseelsorge
Diözese Rottenburg-Stuttgart
Fleisch
Leitung
Betriebseinsatz
Dienstag, 28. August 2018 - 16:07

„Menschen werden benutzt, verbraucht, verschlissen und dann entsorgt!“ - Systemwechsel jetzt!

Prälat Peter Kossen und Dr. Florian Kossen prangern in einer Pressemitteilung unmenschliche Lebens- und Arbeitsbedingungen
osteuropäischer Arbeitsmigranten in der deutschen Schlachtindustrie an.

„Menschen werden verschlissen und entsorgt“

(17.8.2018) Dr.  Florian  Kossen,  hausärztlich  tätiger  Internist in Goldenstedt, und
Prälat  Peter  Kossen, Pfarrer in Lengerich, erheben schwere Vorwürfe gegen
die  Verantwortlichen  in  der  Fleischindustrie: „Menschen werden benutzt,
verbraucht, verschlissen und dann entsorgt!“ Arbeitsmigranten aus Rumänien,
Bulgarien    und   Polen   behandelt   Dr.   Kossen   täglich   in   seiner
allgemeinmedizinischen   Praxis.   Sie  arbeiten  in  Großschlachthöfen  in
Wildeshausen, Ahlhorn und Lohne. Was er sieht und hört, macht den Mediziner
fassungslos und zornig. Die Totalerschöpfung der Patientinnen und Patienten
ist  fast  schon  alltäglich:  „Viele  arbeiten sechs Tage in der Woche und
zwölf  Stunden  am  Tag. Sie haben keine Möglichkeit der Regeneration, weil
sie   durch  ihre  Arbeits-  und  Lebensbedingungen  ständig  physisch  und
psychisch  unter  Druck  stehen.  Daraus  resultieren  eine ganze Reihe von
Krankheitssymptomen:  Von  Überlastungsschäden  im Bereich der Extremitäten
und   Wirbelsäule   über   psychovegetative  Dekompensationen  bis  hin  zu
wiederholten  bzw.  hartnäckigen  Infekten  durch  mangelhafte  hygienische
Zustände  in  den  Unterkünften  und  gesundheitswidrige Bedingungen an den
Arbeitsplätzen.  Aber auch eine totale körperliche Erschöpfung, wie ich sie
in  meinen  20  Jahren  ärztlicher  Tätigkeit  vorher selten gesehen habe.“ (...)
" Es brauche einen  Neuanlauf  der Politik", ergänzt Prälat Peter Kossen, "um die Branche zu zwingen,
für die eigenen Leute  Verantwortung  zu  übernehmen und sich nicht zu verstecken hinter
dubiosen Subunternehmen und Leiharbeitsfirmen.
Selbstverpflichtungserklärungen  der Fleischindustrie hätten allenfalls den
Sklaventreibern Luft und Zeit verschafft, ihr menschenverachtendes Geschäft
unbehelligt weiter zu betreiben. „Wenn der Rechtsstaat hier nicht völlig ad
absurdum geführt werden soll, braucht es eine Behörde, die Recht und Gesetz
durchsetzen  kann.  Die  nicht,  wie die Kontrollbehörden bisher, der Mafia
machtlos  hinterher  schaut,“  sagt Peter Kossen.

Lesen Sie hier den vollständigen Pressetext:

 

Prälat Peter Kossen (links) und Dr. Florian Kossen (Bild: privat)

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