Geistliches Wort für die Ausgabe der Schwäbischen Zeitung am 2. Mai 2026
Halt und Zuversicht in unsicheren Zeiten
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“, mit diesen Worten beginnt das Sonntagsevangelium.
Es sind tröstliche Worte in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint: Die vielen Kriege und Krisenherde, deren Folgen sich auch negativ auf uns auswirken.
Die politischen Diskussionen um die Rente, um die Sozial- und Gesundheitsleistungen belasten viele Menschen.
Die Arbeitswelt ist geprägt vom Transformationsprozess, vom Fachkräftemangel in bestimmten Branchen sowie von betriebsbedingten Kündigungen in anderen Bereichen.
Umstrukturierungen, Leistungsdruck, Angst um den Arbeitsplatz – das lässt Menschen unruhig werden
Was kann uns in diesen Krisenzeiten Halt und Zuversicht geben?
Die Worte Jesu sprechen uns in diesen Zeiten Trost zu:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! (Joh 14,1)
Jesus ruft uns dazu auf, sich nicht von äußeren Umständen verunsichern zu lassen, sondern auf die innere Verbindung zu Gott und zu ihm zu vertrauen.
Diese Verbindung ist bei jedem von uns etwas anders. Und je nach den eigenen Bedürfnissen können wir diese enger oder loser oder eben auch gar nicht gestalten.
Aber wenn es uns nicht gut geht, wenn wir verwirrt und verunsichert sind, Angst haben und vielleicht nicht wissen, welche Entscheidung wir treffen oder welchen Lebensweg wir wählen sollen,
wenn wir Halt und Zuversicht brauchen, gerade dann dürfen wir uns Gott und Jesus anvertrauen!
Durch Vertrauen wachsen Stärke und Zuversicht, die uns Kraft geben für ein menschliches und wertschätzendes Miteinander gerade in einer Zeit, in der Hassbotschaften und Profitgier die Welt zu beherrschen scheinen.
Das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. Mai lautete dieses Jahr – „Erst unsere Jobs, dann Eure Profite“.
Auch die Betriebsseelsorge schließt sich dem an und fordert den Erhalt von Arbeitsplätzen, Standortsicherheit und faire Löhne vor Gewinnmaximierung und Renditeinteressen.
Jesus sagt von sich: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).
Der Weg Jesu, ist ein Weg des Lebens. Ein Weg der Solidarität. Ein Weg, der in eine Zukunft der Gerechtigkeit und Menschenwürde führt.
Wenn Betriebs- und Personalräte sich für ihre Kolleginnen und Kollegen in Betrieben und Einrichtungen einsetzen, dann gehen sie diesen Weg.
Wenn Gewerkschaften gute Arbeitsbedingungen fordern und sich gegen Ausbeutung wenden, machen sie diesen Weg sichtbar.
Lassen wir uns auch nach dem 1. Mai nicht von Zukunftsängsten lähmen.
Vertrauen wir darauf, dass der Weg der Solidarität – das solidarische Handeln im Betrieb und in der Gesellschaft – der Weg zum Leben ist, den Jesus uns vorgeht.
Hermine Burger
Kath. Betriebsseelsorge Dekanat Biberach