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Katholische Betriebsseelsorge
Diözese Rottenburg-Stuttgart
Workers Memorial Day I
Nach der Gedenkminute am WMD auf dem Weinhof in Ulm
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Marcel Siedlaczek

Ulm
Donnerstag, 3. Mai 2018 - 23:29

Workers Memorial Day in Ulm

Zum ersten Mal wurde der Workers Memorial Day in Ulm begangen.

Am 22. April feierte eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen den ersten Workers Memorial Day in Ulm.

Der Workers Memorial Day ist ein Gedenktag für verunglückte und verstorbene KollegInnen. Die Tradition stammt aus den USA und wurde in Deutschland von der IG BAU aufgegriffen.

Der Abend in Ulm folgte dem Motto des Tages: Den Toten gedenken, für die Lebenden kämpfen.

Für die Lebenden kämpfen

Den Start machte ein Filmgespräch zum Film "Arbeitsausbeutung einkalkuliert". Im Film wurde auf die ausbeuterische Situation auf so mancher deutschen Baustelle aufmerksam gemacht. Wanderarbeiter aus Ost- und Südeuropa arbeiten häufig für geringe Löhne auf den Baustellen, schlafen über Monate in Containern und werden immer wieder um den kargen Lohn gebracht.

Im Anschluss an das Gespräch kam der Ulmer Betriebsseelsorger Michael Brugger mit seinem Kollegen Peter Maile ins Gespräch. Peter Maile ist Betriebsseelsorger auf den Baustellen von Stuttgart 21. Auch er erlebt, dass Arbeitnehmer aus dem Ausland durch Subunternehmerstrukturen und Kettenverträge um einen ordentlichen Lohn gebracht werden. Gleichzeitig betonte Maile, dass sich für Stuttgart 21 auf Initiative ein stabiles Netzwerk aus Betrieben, Betriebsseelsorge, Gewerkschaft, dem Projekt Faire Mobilität und Behörden gebildet hat, das sich um ordentliche Arbeitsbedingungen auf der Baustelle kümmert.

Angeregte Diskussion beim Filmgespräch

Den Toten gedenken

Später schilderte Maile Unglücksfälle auf der Baustelle und den Umgang damit. "Ich erlebe immer wieder eine große Hilflosigkeit im Umgang mit Unglücksfällen. Allzu schnell kehrt man zum Alltagsgeschäft zurück." Hier setzt Maile an und bringt Kolleginnen und Kollegen von Verstorbenen und Verunglückten für Gottesdienste und Gedenkminuten zusammen. Manchmal ist das aber auch gar nicht mehr möglich. "Nach einem Unglück haben sie die ganze Truppe abgezogen. Da war kein Kollege mehr da."

Zum Ende des Abends versammelten sich alle Teilnehmer des Abends zum Totengedenken auf dem Weinhof. Um einen roten Ring auf dem Boden legten die Kolleginnen und Kollegen eine Nelke oder Kerze zur Erinnerung. "Der Tod hinterlässt immer eine Leere", so Michael Brugger, "aber wenn wir uns erinnern, bleiben die Toten in unserem Leben lebendig."

Nach der Gedenkminute am WMD auf dem Weinhof in Ulm

Zugehörige Arbeitsfelder

Faire Mobilität

Das Projekt Faire Mobilität begleitet WanderarbeiterInnen aus Osteuropa in arbeitsrechtlichen Fragen