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Katholische Betriebsseelsorge
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Tuttlingen
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Stadt Tuttlingen

Tuttlingen
Dienstag, 20. November 2018 - 10:15

Der Betriebsrat ist die Hefe im Unternehmen

Auch in diesem Jahr waren wieder über 30 Betriebs- und Personalräte sowie kirchliche Mitarbeitervertreter der Einladung des Tuttlinger Betriebsseelsorgers Thomas Maile gefolgt: Oasentag auf dem Dreifaltigkeitsberg. Ein Angebot, durchzuschnaufen, sich mit anderen auszutauschen und sich gegenseitig zu ermutigen, die betriebliche Interessenvertretung zum Wohl der Beschäftigten auszuschöpfen.

Der ehemalige Leiter der Betriebsseelsorge in der Diözese, Pfarrer Paul Schobel aus Böblingen, nahm ein biblisches Bild zum Vergleich: Mit dem „Reich Gottes“ ist es wie mit einem Batzen Sauerteig, den eine Frau unter einen halben Zentner Mehl mischte. Kapital, so der Referent, bleibe eigentlich „totes Kapital“ und werde erst produktiv, wenn es sich mit menschlicher Arbeit vermischen und durchsäuern lasse. Das mache den Wert und die Würde der menschlichen Arbeit aus. Arbeit sei kein „Produktionsfaktor“ unter anderen, sondern Kern-Element der Wertschöpfung.

Um diesen Prozess der Durchmischung ein wenig sinnenfällig zu machen, wurde nun vor den Augen der Anwesenden aus Mehl, Wasser und Hefe ein Brotteig geknetet und bekam die nötige Zeit, um „aufgehen“ zu können. Danach wurde er von den Schwestern auf dem Berg zu einem schmackhaften Brot gebacken.

In einer ersten Austauschrunde war von schmerzlichen „Gärungsprozessen“ in den Unternehmen zu hören. Die totale Überlastung etwa des Pflegepersonals und die permanente Überforderung infolge des Personalnotstandes. In allen Unternehmen ist nach wie vor viel Angst im Spiel. Die psychischen Belastungen nehmen zu. Ständige Umstrukturierungen machen zu schaffen. Die Kommunikation sei oft mangelhaft, berichteten die Teilnehmer. Es fehle an Wertschätzung und Solidarität. Da müsse man als Betriebsrat „richtig reinlangen“, wie der Bäcker in den Teig. Der Fußboden in der Saalmitte war am Ende dieser Runde durch die roten Zettel der Mängelanzeigen eingefärbt.

Doch dabei blieb es nicht. Denn in der zweiten Runde notierten die Teilnehmer – diesmal in gelb, was ihnen in der betrieblichen Interessenvertretung schon alles gelungen ist. Die Eindämmung von sachgrundloser Befristung zum Beispiel. Die Gleichstellung der Leiharbeiter, die Reduzierung von Überstunden, die Bereitstellung von Hilfsmitteln zur Erleichterung der Arbeit und die Anpassung von Löhnen und Gehältern. Wo ein Betriebsrat wie Sauerteig wirkt, verbessert sich vor allem die Kommunikation. Arbeitende wollen nicht nur in ihrer Funktion, sondern vor allem als Menschen wahr- und angenommen werden. Alle leben davon, dass sie anerkannt und wertgeschätzt werden.  

Bei der Schluss-Meditation im Brunnenhaus wurde zum Abschied das frisch gebackene Brot aufgeschnitten und verteilt. So schmeckt „Teilen“, so nahrhaft ist die Solidarität. Der jährliche „Oasentag“ auf dem Berg ist für viele Betriebs- und Personalräte und kirchliche Mitarbeitervertretungen zum festen Datum geworden. Alle freuen sich heute schon auf die Begegnung im kommenden Jahr.